Wappen von Musbach Obermusbach

Die ersten Kurgäste in Obermusbach

Die Mitglieder der Familie Hamma aus Stuttgart

Am 10. August 1910 beschloß der Obermusbacher Gemeinderat den langjährigen Gast Emil Hamma zum Ehrenbürger von Obermusbach zu ernennen.
 

Wer war Emil Hamma?

Der Enkel Theo Hamma hat uns einen Bericht über seine Familie hier in Obermusbach geschrieben.

 
Theodor (Theo)Hamma
 

Der alte Kurgast,

ein Bericht von Theo Hamma

Die Familie Hamma kommt nachweisbar seit über 100 Jahren als Gast nach Musbach.

Meine Ur-Großmutter Emma Hamma stammte aus Gaggenau. Damit war der Weg durch das Murgtal nach Klosterreichenbach nicht weit. Ich selbst bin Jahrgang 1922 und machte in meiner Kindheit die ersten Laufübungen im Dorf. In der Ferienzeit waren wir vor dem Krieg regelmäßig in der Wohnung bei der Familie Dürr. Eine größere Unterbrechung fand während der Kriegszeit statt, da ich als Seemann 1939 in Kanada interniert wurde. Nach dem Kriegsende war ich dann wieder regelmäßig in Obermusbach. Später auch mit meiner Frau und meinem Sohn. Die Nähe meines Wohnortes Ettlingen ermöglicht mir auch oft ein Jagdbesuch am Wochenende. Auch unser Sohn besucht mit seiner Frau und den Kindern gerne Musbach.

Nun zu den ersten Hammas.

In einer alten Klosterreichenbacher Kurzeitung von 1889 fand ich durch Zufall in der Rubrik "Gäste" den Hinweis, das unter anderem die Familie Hamma mit Bedienstete aus Stuttgart begrüßt werden. Bei Ausflügen in der Umgebung muß die Familie dann auch nach Obermusbach gekommen sein. Hier fand mein Großvater Emil Hamma, der ein leidenschaftliche Jäger war, die Möglichkeit zur Ausübung der Jagd.

Auch wurden offensichtlich Geschäftskontakte gepflegt. In einem 1892 geschriebenen Tagebuch von Herrn Hill von der Fa. Hill & Sons aus London steht folgender Eintrag: "Traf Hamma und Willie mit dem Besitzer des Bauernhofes auf der Fahrt nach Obermusbach auf die Jagd."

Im Rathaus von Musbach fand ich den Eintrag der ersten Jagdpacht vom Großvater Emil Hamma, dies war der 29. Juni 1895. Da ihm die Fahrten von Klosterreichenbach her zuviel Zeit erforderte, suchte er sich eine Unterkunft in Obermusbach. Diese fand er im "Jägerhaus" bei Frau Hofer. Nach dem Tod von Frau Hofer wurde das "Jägerhaus" an Georg Frey verkauft und zum Gasthaus umgebaut. Somit mußte die Wohnung aufgegeben werden. Eine neue Wohnung fand sich im Haus von Johannes Schneider, der gerade ein neues Haus in der Klosterstraße gebaut hatte. Für die weiteren Mitglieder der Familie gab es zusätzlich eine Wohnung im Haus Dürr.

Die erfolgreiche Jagd und Geburtstage wurden im "Zum Ochsen" gefeiert, wie Fotos belegen. An diesen Feiern nahmen regelmäßig die Obermusbacher teil.

In der Tageszeitung "Der Grenzer" stand damals folgender Artikel:
Obermusbach, 19. Oktober 1912
Auf dem hiesigen Jagdgebiet, sowie auf der angrenzenden Gesellschaftsjagd, wurde bei einer in den letzten Tagen veranstalteten Treibjagd, von Herrn Caressa aus Paris und den Herren Hamma und Lehmann aus Stuttgart, 21 Rehe und 8 Hasen zur Strecke gebracht. Im altrenomierten Gasthof "zum Ochsen" dahier vereinigten sich die Schützen und Treiber bei einem vprzüglich zubereiteten Jagdmahl. Das erfreuliche Resultat und die guten Getränke versetzten gar bald die ganze Gesellschaft in die heiterste Stimmung und manch frohes Jagdlied wurde aus voller Kehle in die Nacht hinausgeschmettert.

Auf einer Wiese der Familie Ziefle wurde ein Tennisplatz eingerichtet und hinter dem Haus Schneider wurde der Stockerbach aufgestaut und ein Freibad gebaut.

Nach meinem Großvater übernahm mein Vater Emil Hamma Junior die Pacht von 1928 bis 1958. Anschließend pachteten Obermusbacher Bürger die Jagd  und ich erhielt weiterhin die Möglichkeit bei meinen zahlreichen Besuchen in den Musbacher Wäldern zu jagen.

Zur Jagd hatten wir über viele Jahre auch die Fischpacht.

Seit 88 Jahre bin ich als Gast in Musbach und werde es auch bleiben, so lange ich es kann.

Mit den besten Wünschen an die Bürger und weiterhin alles Gute

Euer Theo Hamma

Ettlingen, im Juni 2010


Einige Ergänzungen zum Bericht von Theo Hamma.

 
Im Jahr 1889 finden wir im Gemeinderatsprotokoll einen Eintrag zur Verpachtung der Musbacher Jagd am 25. März 1889, bei der Emil Hamma am 31. März 1895 als Ersatz für Teilhaber Buck aus Freudenstadt in die Jagdpacht eintritt.  
Ihm folgte 1928 als nächster Jagdpächter der Sohn Emil Hamma Junior und ab 1958 bis etwa 1990 ging der Enkel Theo (Theodor) Hamma auf die Jagd.

Der Großvater Emil Hamma senior war der Geschäftsführer eines Altgeigenhandels mit Geigenfertigung in Stuttgart. Sein Vater Fridolin Hamma hatte die Fa. Hamma & Co. 1864 gegründet.

 
 

Nach seinem Tod 1892 übernahm Sohn Emil die Geschäftsleitung. Seine Brüder Albert und Franz lebten als Einkäufer in Italien. Albert später auch in Spanien und England. Sie bereisten das ganze Land und kauften alte Meisterwerke auf, die dann über Stuttgart in der ganzen Welt wieder verkauft wurden. Über die Fa. Hamma & Co. wurde weltweit ein großer Teil der alten Geigen von Stradivari, Guarneri, Amati und Guadagnini gehandelt. Das zweite große Altgeigenhandelshaus war W. E. Hill & Sons in London.

 

Emil Hamma, der erste Kurgast, zählte zu seiner Zeit zu den besten Geigenkennern der Welt. Im Jahr 1928 übernahm Emils Sohn Fridolin Hamma die Geschäftsleitung.

 

 
Emil Hamma Junior war Teilhaber in der Geschäftsleitung. Er übernahm als leidenschaftlicher Jäger die Jagd in Obermusbach.

Emil Hamma Junior
*28.12.1883 +21.01.1958

Der leidenschaftliche Jäger Emil Hamma Junior fand auf dem Friedhof von Obermusbach seine letzte Ruhestätte.

Auch Fridolin Hamma galt als bedeutender Geigenkenner und Geigenbauer. Er schrieb die noch heute anerkannten Standardwerke "Meisterwerke italienischer Geigenkunst" und "Meister deutscher Geigenbaukunst". Fridolin wurde Ehrenbürger der italienischen Geigenbauerstadt Cremona. Der letzte Weltkrieg vernichtete leider die private Geigen-Sammlung der Hammas in der Stuttgarter Seestrasse. 
Nach Fridolin übernahm 1958 sein Sohn Walter Hamma die Firma.
 
Walter war auch ein hochgeschätzter Geigenbauer und Geigenexperte. Wie sein Vater war er Präsident der "Internationalen Vereinigung der Geigen- und Bogenmachermeister". Da Walter keinen Nachfolger finden konnte, wurde die Fa. Hamma 1984 nach 120 Jahren geschlossen.
 
Theo Hamma, der Sohn von Emil Hamma Junior war nicht im Geigengeschäft tätig. Er blieb aber auch nach dem Tod des Vater den Obermusbachern treu und ist bis heute regelmäßig Gast in Musbach.
 
 
 
 
Geburtstagsfeier von Emil Hamma 1913 
Vordere Reihe:
Johannes Ziefle 1865-1923
Johannes Braun 1863-1943
Friedrich Kappler 1866-1941
Emil Hamma 1855-1928
Karl Schanz 1881-1965
Hintere Reihe:
Adam Bohnet 1867-1940
Fritz Wurster 1883-1966
Georg Oesterle 1877-1952
Georg Frey 1870-1957
Hermann Wörner 1881-1964
Mit Sektflasche:
Michael Dölker 1856-1933
 
 
 
Theo Hamma hat uns zahlreiche Fotos aus den Jahren 1906 - 1932 zur Verfügung gestellt.
 
Von seinem Onkel Fridolin Hamma stammen Bilder eines Sommerurlaubs in Obermusbach 1906. Sie dokumentieren die Vergnügungen der ersten Feriengäste ebenso wie das dörfliche Leben.
 

Ermittelt und aufgeschrieben von Hans Rehberg mit der freundlichen Genehmigung und Hilfe durch Theo Hamma, Ettlingen.

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