Obermusbach - "Dorfgeschichten"
Wappen von Musbach Obermusbach

Emil Hamma, der Ehrenbürger von Obermusbach



Emil Hamma war seit 1889 Gast in Obermusbach. Am 10. August 1910 beschloß der Gemeinderat von Obermusbach Emil Hamma zum Ehrenbürger von Obermusbach zu ernennen. Die Ehrenbürgerurkunde ist leider nicht mehr erhalten, im Gemeindearchiv haben wir jedoch noch ein Rechnungen für das Urkundenblatt und die Rahmung durch Schreiner Oesterle gefunden.
 
Aus dem Gemeinderatsprotokoll
 
10. August 1910
Von verschiedenen Bürgern wurde angeregt den nunmehr seit 20 Jahren hier wohnenden Emil Hamma von Stuttgart als Ehrenbürger in die hiesige Gemeinde aufzunehmen.
Vom Gemeinderat wurde beschlossen:
Den Emil Hamma von Stuttgart in Anbetracht der während seines langjährigen Aufenthaltes hier freundschaftlichen Verhältnisses mit den hiesigen Bewohnern, als Ehrenbürger in die hiesige Gemeinde aufzunehmen und demselben eine Ehrenbürgerrechtsurkunde zu übereichen.
 
Die persönlichen Daten von Emil Hamma.
Emil Hamma, *11.8.1855 in Stuttgart +7.11.1928 heiratet 1880 Wilhelmine Maria Frey, *19.12.1857 +7.8.1906. Sie haben 10 Kinder, davon 3 Zwillingspaare. Die Söhne Fridolin und Emil übernehmen die Firma Hamma & Co..
Der Vater ist Fridolin Hamma, * 14.12.1818 in Wurmlingen, +11.1.1892 in Stuttgart.
 
Die Familie von Emil Hamma
um 1900 in Obermusbach
Der Jäger Emil Hamma
um 1905 in Obermusbach
Emil Hamma rechts mit seinen Onkeln Benjamin Hamma, ohne Hut und Franz Xaver Hamma. Knabe nicht bekannt.
 
Emil Hamm in Musbach um 1914 mit Kinder und Personal.
Von links: Emma Frey-Verwalterin, Mely Hamma, Gertrud Hallmayer-Hamma, Hedwig Hamma, Fridolin Hamma, Mariechen Hamma die Tochter von Albrecht Hamma, Frl. Wehmer, Alfred Hamma, Erwin Hamma, Emil Hamma.
Das erste Auto 1923
 
Das zweite Auto
 

 
Am besten ist der Ehrenbürger Emil Hamma durch einen Zeitungsartikel beschrieben, der anläßlich seines Todes am 5.12.1928 in einer Musik-Instrumenten-Zeitung erschien.
 
Emil Hamma
 
In den letzten Tagen hat uns ein merkwürdiger Mann für immer verlassen, dem wohl in diesen Blättern ein ehrendes Denkmal gesetzt werden darf.
 
Emil Hamma 1873
 
Wir meinen den bekannten, in seinen Kreisen hoch geschätzten, ja berühmt gewordenen Altgeigenhändler Emil Hamma.
Er hat Anfang der achtziger Jahre die vom Vater 1864 gegründete Musikinstrumenten-Handlung übernommen, nachdem er sie während mehreren Jahren kaufmännisch geführt hatte, wobei sich bald sein kühner, die Grenzen des väterlichen Betriebs durchbrechender Unternehmergeist und sein ausserordentlich scharfer Blick für die Beurteilung edler, alter Saiteninstrumente geoffenbart hat. Mehr und mehr erhob er den Handel mit solchen zum Hauptgegenstand seines Geschäftes und verschaffte sich auf großen, durch viele Jahre hindurch unternommenden Geschäftsreisen, besonders in Italien reiche, überragende Kenntnisse und lohnende Verbindungen mit allen namhaften, diesem edlen Geschäftszweig dienenden Firmen der ganzen höhere Musik betreibende Welt. Er hat sich tatsächlich zum befähigsten, erfahrensten und scharfsichtigsten Kenner auf diesem höchst eigenartigen, vielfach rätselhaften, ja fast mysteriösem Gebiete aufgeschwungen und seinem Geschäft den Weltruf erworben, den es schon lange genießt.
Kaum jemand hatte so viele kostbare alte Meistergeigen, Stradivari, Guarneri, Amati und wie sie alle heißen, zur Beurteilung oder zu Kauf und Verkauf in der Hand wie er. Seine berühmte Kennerschaft wäre aber nicht möglich gewesen, wenn sich nicht zu seinen sonstigen Begabungen ein fabelhaftes, nie versagendes Gedächtnis für die feinsten Besonderheiten der einzelnen Instrumente gesellt hätte.
Sein kecker Drang im Mutterland der Saiten-Instrumente nach den überall verstreuten Werken der alten Meister zu spüren, führte ihn schon als blutjunger Mann auf oft gefahrvollen Wegen in die entlegensten Gebirgsdörfer, Klöster und Schlösser Italiens bis hinunter nach Calabrien und Sicilien. Gerade in diesen schwer zugänglichen Gegenden, in die nie zuvor ein Geigenhändler den Fuß zu setzen gewagt hatte, konnte er auf Erfolg hoffen. Und er hat ihn gefunden, wenn auch unter ernsten Mühen, die im Anfang, ehe er mit Sprache, Land und Leute vertraut war, so sauer gewesen sind, daß sie nur durch eine äußerst mutvolle und tatkräftige Natur, wie die seinige es war, überwunden werden konnten. In der Person seines jüngeren, ebenfalls geigenkundigen Bruders Albert wuchs dem Unternehmen mehr und mehr ein wertvoller Mitarbeiter heran, dadurch nämlich, daß dieser seinen Wohnsitz nach Italien verlegte und nun seine ganze Zeit dazu benützen konnte, sich in die eigentümlichen, oft äußerst  schwierigen Verhältnisse einzuleben und die vorbereitenden, Geduld und Vorsicht heischenden Reisen zu machen, um alsdann, wenn der ältere Bruder zum Einkauf kam, um so planvoller und erfolgreicher arbeiten zu können.
Das war einer der Wege, welche die Firma Hamma & Co schon vor Jahrzehnten zu gutem Erfolg geführt haben, insbesondere zu ihrer überragenden Kennerschaft. Aber nebenbei erwarb sie sich das erst heute recht begreifbare, ideale Verdienst, viele Hunderte alter italienischer Instrumente aus tiefster Verborgenheit, ja aus der Verlorenheit heraus an das Licht und in das Leben der Gegenwart gezogen und dem internationalen Geigenhandel dienstbar gemacht zu haben.
Wo einen solche Quelle für den seltenen Gegenstand aufgetan war, mußte sich der Geschäftsumsatz mit den einschlägigen Händlern aller Kulturzentren Europas und darüber hinaus, wie von selbst entwickeln und zu jeder Art äußeren Erfolges führen.
Der Absatz so kostbarer Instrumente konnte eben damals nur zu einem kleinen Teil in Deutschland gefunden werden, das erst allmählich für die Wertschätzung heranreifen mußte. Gerade aber darin lag der große Vorteil begründet, das Emil Hamma sich gezwungen sah, mit allen namhaften Händlern und Sachverständigen des Auslandes, insbesondere Englands und Frankreichs, durch Jahrzehnet hindurch in den lebhaftesten persönlichen Verkehr zu treten. Er hat dabei die beste Gelegenheit gefunden, die berühmten Geigen der Welt, wie sie über den internationalen Markt gezogen sind, kennen und beurteilen zu lernen, oder für seine eigenen Handelszwecke in Tausch oder Kauf zu erwerben.  Im Benehmen mit anderen gründlichen Sachverständigen wuchs nicht nur seine Kennerschaft zur Bedeutung einer Autorität empor, sondern auch die scharfe Einsicht, daß ein so edler und kostbarer Handelsgegenstand im höchsten Sinne Vertrauensartikel sei und nur mit der äußersten Gewissenhaftigkeit sowohl im Ein- und Verkauf, wie in der auftragsgemäßen Begutachtung und Bewertung behandelt werden dürfe und könne.
Eine natürliche Folge davon wurde, daß sich Ruf und Vertrauen zur Firma Hamma & Co. aufs vorteilhafteste über die ganze Geigenwelt ausgebreitet hat und ein Garantieschein mit ihrem Namen ebenso unbedingt geachtet wird, wie einer von den gediegenen und altberühmten Geigenhause W. E. Hill & Son in London.
 Von Zeit zu Zeit hat die Firma Hamma & Co. reich illustrierte Verzeichnisse ihrer großen und wertvollen Lagerbestände herausgegeben, die insgesamt nicht nur ein überwältigendes Bild ihrer unglaublich großen Umsätze in echten Meistergeigen lifern, sondern auch eine Fundgrube für die Geigenkunde darstellen.
Das nächste derartige noch reicher mit Abbildungen und eingehendem, auf geschichtliche Texte ausgestattete größere Werk alte Geigen, sollte noch zur Lebenzeit des Altsmeisters der Firma erscheinen und ihm dargebracht werden.
So war es vom Sohne Fridolin Hamma, dem vieljährigen, technischen Mitarbeiter geplant. Nun nach dem Tode des Vaters wird es seinem Andenken gewidmet werden und kann zugleich als Zeichen dafür gelten, daß die Firma im alten bewährten Geist weitergeführt wird mit Hilfe der zwei Söhne, die schon seit Jahren die Hauptbürde des Geschäfts getragen haben.
Auch als Mensch hat er die Spuren eines besonders gearteten Mannes hinterlassen. Er besaß eine urwüchsige frische lebensfrohe Natur, war großzügig, gerade, offen, gelegentlich massiv, aber immer gerecht, gutherzig und hilfsbereit. Seine Gebefreudigkeit ist fast überschwenglich gewesen, und viele dankbare Herzen werden um ihn trauern. Am innigsten die Glieder seiner Familie, denen er ein überaus hingebendes Haupt gewesen.
Seine Erholung von weiten Reisen, von Sorgen und Arbeit suchte er schon von früher Jugend an in der Jagd und was für ein rassiger, weidgerechter und froher Jäger ist er gewesen! Einer von der alten, verantwortungsbewußten Art, die nun so selten geworden ist. Im Kreise der Stuttgarter Jagdgesellschaft war er während Jahrzehneten belebende Seele, Mittelpunkt und Vorbild. Eine unvergeßliche Gestalt "ein prächtiger Kerl", wie einer seiner Jagdfreunde ihn genannt hat.

 

Ermittelt und aufgeschrieben von Hans Rehberg. Die Daten wurden von Theo Hamma, Ettlingen zur Verfügung gestellt. Hierfür vielen Dank. Fotorechte bei Theo Hamma, Ettlingen.

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