Wappen von Musbach Obermusbach

Das Urbar von 1427,

ein Lagerbuch des Kloster Reichenbach

Niedergeschrieben der Teil von Obermusbach.

Im Hauptstaatsarchiv befindet sich das Kopialbuch H102/63 Band 1. In diesem Buch befindet sich das Lagerbuch vom Kloster Reichenbach. Der Text des Lagerbuches ist nicht die Originalfassung sondern eine Kopie die vermutlich um 1600 entstanden ist. Einige Texteteile sind damals vom Kopisten an die aktuelle Zeit angepasst worden. Dies gilt vor allen Dingen für die Namen der Hofeigentümer und läßt sich an Hand von anderen Urkunden nachvollziehen.
Im Folgenden steht meine Interpretation des Urtextes. Weiter unten dann der von mir editierte Originaltext. Die Textwiedergabe entspricht dem Text der jeweiligen Seite im Original.
Ein notwendiger Kommentar ist zur Verständlichkeit mit einem kleineren geschriebenen Text.

Urbarium 1427

Obermusbach

Blatt 402 Vorderseite
Das Dorf Musbach gehört dem Kloster Reichenbach.
 
In Musbach hat zweimal im Jahr ein Gericht stattzufinden. Der erste Gerichtstermin ist am Tag nach dem Martinstag (11. November). Der zweite Gerichtstag hat am Tag nach dem 1. Mai stattzufinden.
 
Jeder ist verpflichtet an den Gerichtsverhandlungen teilzunehmen. Wer einen Termin nicht wahrnimmt, hat eine Strafe von 3 Schilling Tübinger Währung zu bezahlen. Wer an beiden Terminen nicht teilgenommen hat, muß 18 Tübinger zur Strafe bezahlen.
 
Wer ein Lehensgut in Obermusbach kaufen will, der soll es vom Prior oder seinem Vertreter kaufen und hierfür eine Vermittlungsprovision von 7 Tübinger
 
Erstaunlich ist, dass in der Einleitung der Ort nur als Musbach und nicht als Obermusbach  bezeichnet ist, obwohl in der Überschrift Obermusbach steht. Eventuell stand im Orinigaltext 1427 nur Musbach und der Kopist hat die Ortsbezeichnung an dieser Stelle nicht angepaßt. Als Richter sind vermutlich zwei Lehensbauern aus Obermusbach gemeint sein. Der Vertreter des Priors ist vermutlich der Clostervogt.
 
Blatt 402 Rückseite
bezahlen. Der Geschäftsabschluß soll von zwei Richter bezeugt werden.
Wer ein Lehensgut verkaufen will, der soll mit dem Verkauf den Prior oder seinen Vertreter beauftragen und 3 1/2 Tübinger Vermittlungsprovision zahlen. Zwei Richter sollen hierbei Zeugen sein.
 
Die Musbacher (Obermusbach) geben als Gemeinde jährlich 4 1/2 Pfund Heller an Steuern. Diese Steuer heißt Solsteuer. Die Steuer sollen Reiche und  Arme gemeinsam zahlen. Gezahlt werden muß der Betrag je zur Hälfte am 1. Mai und am 11.November.
Von den aufgeführten 4 1/2 Pfund Heller erhält der Sankt Michels Altar vom Closter Reichenbach 3 Pfund zu den genannten Terminen.
 
In Dorf Obermusbach sind 13 Lehensgüter die jeweils jährlich zum Sankt Martins Tag, am 11. November, einen Zins von 16 Schilling Heller, 1 Herbsthuhn, 1 Fastnachtshuhn und 1 Scheffel Hafer zu zahlen haben.
 
Wenn ein Lehengut auf zwei Besitzer aufgeteilt wird
 
Blatt 403  Vorderseite
dann ist der Zins 2 Herbsthühner, 2 Fastnachtshühner und 1 Malter Hafer. Sollte ein Besitzer keinen Hafer haben, so hat er Geld zu geben und zwar 3 Schilling Heller für 1 Malter Hafer und 18 Heller für 1 Scheffel Hafer.
 
Wenn jemand in Musbach wohnt und kein Lehen hat, so heißt er Soldner.
Ein Soldner, der ein eigenes Haus hat, zahlt 1 Herbsthuhn, 1 Fastnachtshuhn und 1 Scheffel Hafer.
Ein Soldner der kein eigenes Haus hat, gibt 1 Fastnachtshuhn und 2 Viertel Hafer. Wer keinen Hafer gesäht hat, der gibt Geld statt Hafer wie oben beschrieben.
 
Wer ein Lehensgut hat, der soll einen Tag in Reichenbach mähen, wer eineinhalb Lehen hat, der soll auch einen Tag mähen, wer jedoch zwei Lehen hat, der soll zwei Tage mähen.
Wer zwei halbe Lehensgüter hat, die nicht gemeinsam
 
Statt Hafer kann auch Geld gegeben werden. Da anzunehmen ist, das der Preis hier an das Kopierjahr angepaßt wurde, haben wir hier wir eine Bewertung, was der Hafer um 1600 gekostet hat.
Unter Soldner ist vermutlich ein Tagelöhner zu verstehen. Es ist auch verständlich, dass nicht jeder Tagelöhner ein eigenes Haus hatte.
Zusätzlich zu den Geld- oder Warenabgaben mußten auch noch Frohndienste ohne Bezahlung im Closter in Form von Mäharbeiten geleitet werde.
 
Blatt 403 Rückseite
betrieben werden, der soll auch zwei Tage mähen.
Jeder Soldner soll einen Tag mähen.
 
Es gibt im Dorf auch Gutshöfe die Roder genannt werden. Diese Roder zahlen einen besonderen Zins, unabhängig vom Zins der Lehenshöfe, wie nachfolgend beschrieben.
Die Rodbesitzer dürfen alle Erzeugnisse die sie haben und die auf ihren Höfen wachsen und die sie nicht den Lehensbesitzern verkaufen wollen, anderweitig verkaufen.
Die Gleserin hat ein Rod und zahlt dafür 10 Schilling Heller Steuern. Der Petter zahlt für sein Rod 5 Schilling Heller und 3 Heller.
Ein weiteres Rod zahlt 5 Schilling 3 Heller. Hiervon zahlt der Petter für seinen Teil 2 Schilling, der Claus zahlt für seinen Teil an dem Rod ebenfalls 2 Schilling
 
Die Rod-Höfe sind offensichtlich Höfe auf neu gerodeten Ackerflächen und die Besitzer haben für das Roden einen besonderen Steuervorteil erhalten. Die Höfe lagen vermutlich auf den heutigen Flurstück "Rod" und eventuell auf dem Flurstück "Hilpertshöfle". Heute sind diese Höfe nicht mehr vorhanden.
Dieser Teil über die Rodhöfe ist in der Erneuerung des Lagerbuches 1667 nicht mehr vorhanden. Offensichtlich sind sie zu dieser Zeit schon von den Lehenshöfen übernommen worden. Anderseits heißt dies auch, dass die genanneten Rodeigentümernamen noch die von 1427 sind, da eine Anpassung um 1600 nicht mehr erforderlich war. Wir haben die alten Namen. Gleser, Petter, Claus, Schoch, Hans Welper, Conntz und Marquard.
 
Blatt 404 Vorderseite
und der Schoch zahlt für seinen Teil 15 Heller. Hiermit sind alle Teilhaber an dem Rod aufgeführt.
Der Hans Welper hat ein Rod und zahlt 7 Heller.
Der Conntzlin zahlt 3 1/2 Pfund im Jahr für den Brüel von Musbach und hiervon erhält der Sankt Niclaus Altar in Reichenbach 2 Pfund.
Für Marquards Mad zahlt der Petter jährlich 6 Schilling Heller.
 
Es ergibt sich hieraus für Musbach eine jährlich zu zahlendes Abgabe von 14 1/2 Pfund 8 Schilling 3 Heller und 26 Hühner, ohne die 5 Pfund für das Seelenheil.
 
Blatt 404 Rückseite
Falls die Kirche im Closter für einen Hausbau oder zur Ausbesserung eines Hofes benötigt, so soll der Prior von Reichenbach die Musbacher bitten, dass sie im Wald des Dorfes hierfür Holz fällen. Diese Bitte darf die Gemeinde nicht ablehnen.
Die Musbacher dürfen ihr Holz allerdings nicht auf der anderen Seite des Rotenberg hauen. Der Weg über den Rotenberg ist die Grenze zwischen dem Bannwald des Klosters und dem Allmendwald des Dorfes.
Ebenfalls ist der Gresin Mad zu den Stegen die Grenze zwischen dem Bannwald und der Allmend.
 
Es ist noch zu klären ob der Rotenberg  heute Rosenberg genannt wird und wo die Gresin Mad zu den Stegen lag. Der Bannwald ist der Wald des Klosters, hier bedurfte es einer besonderen Erlaubnis zur Nutzung.
 
Blatt 405 Vorderseite
Auch in dem Bannwald darf Holz geschlagen werden, allerdings nur soviel wie auf einen Wagen laden werden kann, den der Holzhauer dann unmittelbar abfahren muß. Es ist nicht erlaubt das Holz abzuladen und eine nächste Ladung zu holen, wer dagegen verstößt, der muß 3 Pfund Tübinger Währung und 1 Tüwinger als Strafe an den Herren von Reichenbach zahlen. Es darf kein Holz für Latten geschlagen werden. Auch ist es nicht gestattet im Bannwald an der Murg Holz zu fällen.
 
Ebenso gilt dies für den Allmend-Wald. Jeder der im Dorf lebt und dem Closter den Treueeid geleistet hat, darf das Holz was er benötigt im Allmend fällen. Ausgenommen ist hiervon das Holz an der Murg.
Auch darf keiner mehr Holz fällen, als er an dem Tag aufbereiten kann.
 
Diese Regel verhinderte, dass mehr Holz geschlagen wurde als verarbeitet werden konnte. Mit Latten sind wahrscheinch dünne Jungbäume gemeint. Auch bedingt sich das Closter aus, dass das leicht flößbare Holz an der Murg von den Musbacher gefällt wurde. Vermutlich wurde es direkt vermarktet.
 
Blatt 405 Rückseite
Es ist auch erlaubt in der Allmend Holz nicht nur für den Eigenbedarf sondern auch für Verkaufszwecke zu fällen. Bei diesem Holz haben die Dorfbewohner allerdings ein Vorkaufsrecht. Das Holz darf nur außerhalb des Dorfes verkauft werden, wenn keiner im Dorf es kaufen will.
Auch die ärmeren Leute, die keine Zugochsen hatten durften im Allmend Holz fällen. Die notwendigen Ochsen zum Heraustransportieren des Holzes aus dem Wald durften sie frei auch außerhalb des Dorfes ausleihen. Hier bestand kein Vorrecht für die Ochsenbesitzer im Dorf.
 
Der Allmend-Wald gehört den 13 Lehenshöfen im Dorf. Von 12 dieser Lehenhöfe sind die Besitzer als Richter eingesetzt. Der 13. Lehenshofbesitzer ist als Mayer eingesetzt.
 
Der Dorfbewohner, der keinen Lehenshof besitzen, der heißt Soldner
 
Es ist also festgelegt, dass das Holz aus dem Allmendwald auch als Verdienstquelle diente und frei nach außerhalb verkauft werden durfte und die reicheren Lehensbauern erhielten kein Vorrecht für den Transport des Holzes.
Wichtig ist der Eintrag, das den 13 Lehensbauer der Wald gehört. Dieser Punkt war 1843 der Grund weshalb den beiden Besitzern der Tagelöhnergüter bei  der Waldablöse keinen Anteil an dem Wald zugesprochen bekamen. Die Richter ertsprechen vermutlich heute den Gemeinderatsmitgliedern und der Mayer war der Ortsvorsteher und Abrechner der Zinszahlungen.
 
Blatt 406 Vorderseite
Der Soldner hat die gleichen Rechte an dem Wald, den Weiden und dem Wasser wie die Lehensbesitzer. Deshalb muß er auch die für ihn festgelegte Solsteuer zahlen.
 
Unten im Dorf steht eine Mahlmühle und die Rechte des Bachwassers liegen bei dieser Mahlmühle.
In dieser Mahlmühle dürfen auch Auswärtige ihr Mehl mahlen lassen. Sollte jedoch ein Obermusbacher zur gleichen Zeit mahlen wollen, so hat er das Vorrecht und der Auswärtige muß warten. Sollte der Müller dieses Recht nicht einhalten, so ist der Obermusbacher berechtigt am Stauwehr das Wasser umzuleiten auf die Wiese und so einen Mahlbetrieb zu unterbrechen.
 
Reste der Mahlmühle sind vermutlich heute noch am Bachgrund unterhalb der noch bestehenden Sägmühle zu sehen.
 
Blatt 406 Rückseite
Oberhalb der Mahlmühle ist eine Sägmühle gebaut worden, die der Mahlmühle und dem Dorf nicht Schaden darf.
Bei der Sägmühle gilt die Regel wie bei der Mahlmühle, ein Auswärtiger darf auch sägen lassen, muß jedoch den Einheimischen das Vorrecht einräumen. Bei Nichteinhaltung darf das Wasser abgeleitet werden.
 
Der Pächter der Wiese unterhalb des Mühlenstauwehr darf zur Wiesenbewässerung an je 14 Tagen im April und im Herbst das Wasser vom Stauwehr in seine Wiese leiten. Dieses Recht darf keiner verhindern.
 
Wenn sich zwei Dorfbewohner streiten und mit Messer bekämpfen
 
In späteren Ruggerichtsprotokollen finden wir Streitigkeiten über das Recht, dass Wasser zweimal jährlich in die Wiese zu leiten.
 
Blatt 407 Vorderseite
und dieser Streit in dem Gebiet der Weitreiche zwischen den See zu Horb und dem Kreuz an der Oppenheimer Steige stattfindet, so ist der Prior von Reichenbach als Richter zu akzeptieren. Die Strafe beträgt für jeden Streitenden 3 Pfund Tübinger Währung und 1 Tübing.
 
Es folgt die Beschreibung der Dorfgrenzen:
Der Grenzverlauf beginnt am Dürrbach und geht von der Mündung des Dürrbachs in den Stockerbach in Richtung Mühlhalden und vor den Mühlhalden den kleinen Bach aufwärts bis in den alten Mönchweg. Den alten Mönchweg geht es aufwärts bis in Hans seine Reute. Aus Hans seiner Reute bis in den Mönchweg, von den Mönchweg bis in den Schaidgrund. Aus dem Scheidgrund bis zur Wasserscheide zwischen Reichenbach und Musbach. Weiter zur Lach zwischen Igelsberg und Musbach bis zum Weiler Weg.
 
Blatt 407 Rückseite
Und den Weiler Weg bis in das Tal von Eschenried. Vom Eschenried über die Glattquelle die Glatt abwärts bis zum Mandelbrunnen. Vom Mandelbrunnen zum Eselssteig aufwärts bis zum Ende des Weges im Egarden vom Stump. Aus Stump seinen Egarden zum Pfaffenbrunnen und aus dem Pfaffenbrunnen das Bächlein auswärts bis in den Dürrbach.
 
Die Obermusbacher haben das Recht, ihr Vieh folgenden Weg nach Lützenhartt zu treiben. Von Obermusbach über den Egarden vom Stump und aus diesem Egarden das Hard anwärts bis nach Lützenhart. Durch das Hard können sie einen beliebigen Weg das Vieh treiben.
 
Die Obermusbacher haben auch das Recht, ihr Vieh in Richtung Stockach über den Bach zu treiben und zu tränken. Hierbei muß aber auf der anderen Seite und auf dieser Seite des Baches je ein Hirte stehen und auf das Vieh achten bis es getrunken hat. Nach dem Tränken ist das Vieh wieder über den Dürrbach zurückzutreiben.
 
Es ist zu klären, welche Bezeichung heute der Mandelbrunnen (Angelsbrunnen?) und der Pfaffenbrunnen (Hurresbrunnen?) haben. Unter Egarden verstand man eine unbebautes oder unfruchtbares Land.
Der letzte Absatz ist rätselhaft, ist mit Stockach der Ort Frutenhof gemeint oder heißt es Stockbach für Stockerbach? Und weshalb sollte man das Vieh über den Dürrbach treiben um es dann auf der anderen Seite zu tränken? Auf der Obermusbacher Seite des Dürrbaches konnten die Viecher doch problemlos im Stockerbach getränkt werden. Gab es Geländeprobleme auf der Obermusbacher Seite des Dürrbaches, so dass von den Viehweiden des heutigen Segelflugplatzes ein Viehtrieb zum Stockerbach nur auf der Untermusbacher Seite möglich war?
 
Blatt 408 Vorderseite
Falls die Ober- und Untermusbacher sich zusammen tun und gemeinsam ihr Vieh hüten lassen wollen, so erhalten sie das Recht, auch dass Untermusbacher Vieh durch den Wald bis nach Igelberg zu treiben obwohl der Wald dem Reichenbacher Closter gehört. 
Sollten die Ober- und Untermusbacher aber keinen gemeinsamen Hirten haben und ihr Vieh nicht gemeinsam weiden, so dürfen die Untermusbacher nicht über den Dürrbach und den Pfaffenbronnen hinaus ihr Vieh treiben und Holz transportieren.
 
Die oben beschriebenen Vorschriften haben die Obermusbacher als altes Recht und alte Tradition genannt. Als Auswärtige und Angrenzer haben Heinz Jeger von Pfalzgrafenweiler, Ulrich Heinz von Untermusbach, Frech von Igelsberg und der Knecht Heinz bezeugt, dass alles seit Alters her so war und sein soll wie es oben geschrieben steht.
 
Blatt 408 Rückseite
Alle bezeugen dies im Jahre 1425.
 

Original-Übertragung
 
Blatt 402 Vorderseite

Obermospach

Item das obgeschriben Dorf Musbach
ist des Closters Reichenbach Aigen, mit 
Allen seinen Zugehörden.
 
Item zu dem obgeschribnen Dorf soll
man Jars hon Zway Jargerich,
Eins an dem Nechsten tag nach Sant
Marthinstag. Das andere nach dem
Maytag und seind die gericht selb
gebotten, und wölcher nit wart derselb
Zwayer Gericht, Jegliches unns Zu Mittag.
Der verfellt Zu Jedem gericht
umb ein Ainung. Die ist 3 Schilling Tüwings
welcher aber sonnst Inn dem Jaw nit
Zu gericht war, so Im gebotten wurd
der kem umb ein Ainung die ist 18
Tüwinger.
 
Item wölcher Zu dem obgeschribnen Dorf
ein guth hon will, der soll es empfah
vom Ainem Prior, oder seinem Knecht,
dem er solliches empfolhen hatt,
und soll geben  Tüwinger
 
Blatt 402 Rückseite
 
und soll das geschehen, vor Zwayen
Richtern etc. Und wölcher ein guch uff-
geben will, der soll es ufgeben einem
Prior oder seinem Knecht, mit 3 1/2
Tüwinger vor Zwayen Richtern etc.
 
Item 4 1/2 Pfund Heller geben die von Mospach
jerlich In gemein, und heissen die Solsteüw,
dieselben 4 1/2 Pfund Heller soll man setzen uf
Reich und Arm, und die geit man halb
uff dem Maytag, und halb uf Sannt
Marthins tag.
 
Item von dem obgeschribnen 4 1/2 Pfung Heller
soll man jerlich geben 3 Pfund An Sannt
Michels Althaw gehn Reichenbach uf die
Zil Allso obgeschriben steet.
 
Item Zu dem obgeschribnen Dorf
seind 13 Lehen, dern Zinset Jeglichs
Jerlichs dem Closter Zu sanct Marthins
tag 16 Schilling nud 3 Heller, 1 herpsthuon,
ein Vastnacht Huon, und 1 Schefel Habern,
und welches Lehen Zertheilt würt,
 
Blatt 403 Vorderseite
 
das geit 2 Herpsthuon und 2 Vaßnacht
hienner, und 1 malter Habern, wer nit
Habern hat, der geit 3 Schilling Heller für 1 malter
Habern, und 18 Heller für 1 Scheffel habern.
 
Item wölcher Zu Mospach kein Lehen
hat, der ist geheissen ein Soldner,
und wölcher der Soldner Aigen Roch
hat, der geit ein Herbsthuon und ein
Vassnacht huon, Und 1 Scheffel Habern
und der Aber nit Aigen Roch hat,
der geit ein Vaßnacht Huon und 2 Viertel
Habern, und wer nit Habern gesegn
hat, der geit gelt darfüw, Allso
obgeschrieben steet. etc.
 
Item wölcher ein Lehen hat der soll
einen tag Mayen Zu Reichenbach,
und wölcher einhalb Lehen hat der
soll auch ein tag Mayen, und wölcher Zway Lehen hat, der soll Zwen tag
Mayen, und welcher Zway halb
lehen hat, und hat die nit Zu samen,
 
Blatt 403 Rückseite
 
gehörn, der soll auch Zway tag Mayen,
und ein Jeglicher Soldner soll auch
ein tag Mayen.
 
Item es seind auch gieter gelegn Zu
dem obgeschriebnen Dorf, die da genant
seind die Roder, davon sonder Zinß
gehe, der da die Lehen nit Angehet
Allso hernach geschriben steet, und
wölcher ein Rod hat der mag darab fieren
was er daruf hat, oder was Im daruf
würth etc, das er nit mag thon ab dem
obgenannten Lehen.
 
Item 10 Schilling Heller vonn Ainem Rod hat
die Gleserin,
Item 5 Schilling Heller 3 Heller vonn Ainem Rod
hat Petter,
Item 5 Schilling 3 Heller vonn Ainem Rod hat
auch ein Theil der Petter, und geit
von demselben Theil 2 Schilling und der
Claus ein Theil, davon geit er auch 2 Schilling
 
Blatt 404 Vorderseite
 
und der Schoch ein Theil, davon geit
er 15 Heller und ist das Rod den obge-
nannten Rod getheil.
 
Item 7 Heller von ein Rod hat Hanns
Welper,
 
Item 3 1/2 Pfund Heller Jerlich vonn dem brüel
Zu Mospach, dern hörn 2 Pfund An
Sannct Niclausen Althew Zu Reichenbach,
den brüel hat der Conntzlin.
 
Item 6 Schilling Heller Jerlich von Marquartzmad
die hat der Petter
 
Summa Jerlich güllt Zue
Mospach: 14 1/2 Pfund 8 Schilling 3 Heller
und 26 Hiener, ohn die 5 Pfund
Ann des Seelgeret.
 
Blatt 404 Rückseite
 
Item es ist Zu wissen wann das Gotz-
hauß bederft Habern Zu Ainen Irm
Hof gelegen Inn dem Gew, oder das
sie wollten ein Hof bessern, so soll
ein Prior von Reichenbach die vonn
Mospach bitten, das sie Lassen das
Holz Hauwen, In des Dorf Wald, und
das soll die gemeind nit versagen etc.
 
Item die Armen Leit deß obgenannten
Dorfs sollen nit hawen uber den Rotenberg,
Allso der weg gehe uber den Rotenberg hin.
 
Item der weg ob dem Rotenberg
herein, schaid den Bannwald und
die Allmend.
 
Item der Gresinmad Zu den Stegen,
schaidt den Bannwald und die Allmend.
 
Item wölcher hawen will Inn dem
Bannwald, der soll In lassen einen
Wagen nachgehn, und mag hawen
 
Blatt 405 Vorderseite
 
was er bedarf, ußgenommen Laten
die soll er nit hawen, und soll
auch nit mehr hawen, dann er deß
mal gefieren mag. Und soll daß
Holz nit Abladen, und wölcher
aber solch Holz Abliede, Allso dickh er
das thet, Allso dickh verfellt er
Zu bus umb die Herren von Reichenbach
umb 3 Pfund Tüwinger, und 1 Tüwing
und hünder ein Jeden Armenman
gesessen Inn dem Dorf, Auch Allso vil etc
Auch soll keiner Inn dem Banwald
nichtzit hawen an die Murg.
 
Item welcher Zu dem obgenannten
Dorf seye und gelobe und geschworen
hat, der mag hawen Inn der Allmend
was er bedarff, ußgenommen Ann
die Murg soll keiner hawen etc.
 
Item auch soll keiner mehr fellen
Inn der Allmand, dann er uf den-
selben tag ufgehawen mag.
 
Blatt 405 Rückseite
 
Item auch wölcher Inn der Allmend
hawen will er es selber nit heruß-
fieren, und will es verkhauffen,
so soll er es vorab In dem Dorf
fail bieten, und Zu kauffen geben,
will aber kheiner Inn dem Dorf
das Holz kauffen, so mag er es
zu khauffen geben wem er will.
 
Item wölcher Inn dem obgeschribnen
hegt, der selber nit Ochsen het, der
mag ochsen entlehen, wo er will,
das er das Holz heruß gefiere etc.
 
Item die vorgenannten Wäld hörnd
Inn die 13 Lehen, von den obgeschriben
steet, und sollen uf den Zwelff
Lehen sitzen Zwelf Richter und uf
dem dreyzehenden ein Mayer.
 
Item wölcher Inn dem abgeschribnen
Dorf sitzend und khein Lehen hat,
der heisset ein Söldner und der hat
 
Blatt 406 Vorderseite
 
Allso vil Rechtz Zum wäldern, und
wayden und wasser, Allso ein
Annder, der ein Lehen hat, darumb
soll er geben an die Solsteür, was Im uffgelegen ist würt vonn der
Gemeind.
 
Item das wasser das durch das
Dorf geht, das gehöre uf die Malmül
die da steet under dem Dorf.
Und soll man dem Dorf maln,
wer auch das einer khem, Inn die
Mülinund maln wolle, der uß
Annder Herrschaft wehr, und
wölle uff schütten Zu maln, khem
dann einer uß dem Dorf, die auch
maln wolle, so soll der frembd
hünder sich stehn, und soll den
uß dem Dorf sein Kornn ufschüttn
und maln Lassen, und wole der
Müller das nit thon, so mag dirre
das wasser nemen, und mag
das Richten durch den Prüel, da-
zu hat er Recht.
 
Blatt 406 Rückseite
 
Item ein Segmühlin die da stehe ob der
Malmühlin, die ist da grundt worden
Zu machen, unschedlich der Malmühle
und dem Dorf. Und welcher Segens
bederfe, der In dem Dorf gesessen ist,
dem soll man Segen vor Ainem
der nit Im Dorf gesessen ist, und
war das nit thun wolle, so mag
dirre das wasser nemen, und
vonn der mül richten.
 
Item welcher den Prügel hat von den Herren von Reichenbach, der mag
das wasser nemen, 14 tag In dem
Aprellen, und 14 tag In der Herpstzeit
und das uf den brüegel richten,
und das soll Im niemand weren,
dann dazu hat er recht etc.
 
Item welle Zwen oder mehr ge-
sessen In dem obgeschribnen
Dorf ein Krieg Anheben, und die
Messer übereinander Zuckhen
oder Zugen, Allso dickh und vil
 
Blatt 407 Vorderseite
 
das gescheth Zwüschen dem See Zu
Horb und dem Creitz uf der Nop-
nawer Staig, Allso dickh verfellt 
Jeglicher der solliches der hünder dem
Prior Zu Reichenbach umb 3 Pfund Tüwinger
und 1 Tüwingh.
 
Nota hienach ist geschriben die Zuge-
hörd und weitraich des obgeschrib-
nen Dorfs.
 
Item die Weitraichin hebt an dem
und get uß dem Dürrenbach biß Inn
die Mihlhalden, und das gründlin uf
biß In den Allten Münchweg,
und den weg In bißIn Hannßen
Reütin, ußer Hannßen Reütin Aber
bis Inn Münchweg, von dem Münch-
weg In bis In dem Schaidgrundt,
und ußer dem Scheidgrund biß
In den Schneschlaiff, zwüschen
Reichenbach und Mosbach, und die
Lach In Zwüschen Ilennsperg und
Mospach, bis uf denn Weilerweg.
 
Blatt 407 Rückseite
 
Und den weg In biß an den grund,
und demselben grund In bis uf das
Eschenriet, unnd uß dem Eschenriedt
den glattbronnen ab und ob. unntz In
Manndelsbronnen, und uß dem Mandels-
bronnen, den Eselsteig ußhin, bis der
weg herzu raichet, uß Stumpen Egarden,
uß Stumpen Egarden In Pfaffen-
bronnen, und uß dem Pfaffenbronnen,
das gründlin uf Aber In Dürrenbach etc.
 
Item die obgeschriben die obern von
Mospach hannd ein Zufart mit dem
Viche, bis Zu Stumpen Egarden,
und uß Stumpen Egarden das Hard
ab bis gehn Lüzenhart, und megen
farn Inn dem Hard, wo sie wöllen etc.
Und haben auch Recht Zu faren mit
Irem Viche, gehn Stockach uber den bach
Ir Vihe daselbst Zu trennckhen, und
wann sie das thun so soll ein hürt
über den bach stehn, und einer hir
derhalb bis sich getrunckh, und sollen
den sie das Vihe wider ubern Dürrenbach
treiben.
 
Blatt 408 Vorderseite
 
Item wan die von Obermospach
und die von Undermuspach zusamen
faren mit Irem Vihe si megen die
von Undermuspach die Haiden megen
und uf dem Hard gehn Ilensperg
einhin, das dern von Reichenbach
Aigen ist, und wann die obgenannten
nit Zamen fahrn, so sollen die
von Undermuspach nit farn über
den Dürrenbach und uber Pfaffen-
bronnen, weder mit Vihe oder
noch mit Holz etc.
 
Item die obgeschrieben Sachen und
Sagen haben gesait, die obgenannten
die von Mospach, das es Allso sein
soll und herkhomen sey, darzu haben
auch gewisen und gesait, Hainz
Jeger von Weiler, Ulrich Hainz
von Undermospach, der Frech von
Ilensperg und Knecht Hainz die nit In
dem obgescchribnen Dorf gesessen
seind, das das Allso sein soll
und herkhomen sey, wann sie dickh
und vil vor disen Zeiten bey
 
Blatt 408 Rückseite
 
solcher Verkhündung gewesen seind etc.
Und geschath das Anno Dommini
1425.
 
Entnommen aus: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, H102/63 Bd. 1. Editiert unter Zuhilfenahme der Edition "Das älteste Urbar des Priorats Reichenbach von 1427" von Regina Keyler. Aufgeschrieben durch Hans Rehberg.
© Obermusbach 2008 |Impressum|