Im Kaufbuch II finden wir um 1870 unter der Kaufmasse bei den Höfen auch immer Pottaschesiedereien, deshalb wollen wir hier das Pottascheverfahren erläutern.Für die bäuerlichen Familien im Schwarzwald bildete die
Pottaschegewinnung eine wichtige Einnahmequelle.
In Obermusbach gab es um 1850 etwa 7 Pottaschesiedereien. Nachweisbar
im Kaufbuch II für die Höfe Nr. 1 Braun, Nr. 3 Ziefle, Nr. 13 Bohnet und
Nr. 14 Mast. Es wurde also auf jedem zweiten Hof Pottasche hergestellt.
Im Gewerbe-Katasterbuch von 1821 haben für die
Potaschesiederei alle Höfe die Gewerbesteuer von 42 Kreuzer zu
zahlen.
Hier wollen erläutern, was es mit der Pottasche auf sich hat.
Die Produktion ging nicht ohne Gerätschaften und
Vorrichtungen.
Benötigt wurden Feuerstätten zur Holzverbrennung, Siebe und Wasser,
Öfen mit Siedepfannen (Siedetopf bzw.Siedepott) und
ein Kalzinierofen.
Ein Großteil der Holzasche entstand im Haushalt, da
hier als Brennmaterial ausschließlich Holz benutzt wurde.
Die Pottasche (Kaliumcarbonat) wurde um 1800 hauptsächlich zur
Glasherstellung benötigt. Bei uns in den Glashütten Baiersbronn-Buhlbach
und Schönmünzach.
Durch Zugabe von Pottasche zum Schmelzgut konnte die
Schmelztemperatur des Quarzsandes von 1700 auf 900 - 1200 Grad
Celsius herabgesetzt werde. Je niederiger durch Zugabe von Pottasche der
Schmelzpunkt gesetzt wurde, um so niederiger war jedoch auch die Härte des
Glases.
Zur Herstellung der Pottasche wurde Holz verbrannt.
Bei der vollständigen Verbrennung von 100 kg Holz entstehen etwa 0,2 bis 2
kg Asche, die aus einem Gemisch von Carbonaten, Sulfaten, Phosphaten,
Chloriden und Silikaten der Alkali- und Erdalkalimetalle sowie aus
Eisenoxiden und weiterem Besteht.
Auf Grund der Nachverbrennung in dem Kalzinierofen wurde für 1 kg
Pottasche etwa 1000 kg trockenes Holz benötigt.
Im folgenden wird der Prozess zur Herstellung der Pottasche
beschrieben:
Als erstes wurde durch Auslaugen die erste Lauge
erzeugt. Hierzu wurde die Asche in einen Bottich mit Siebboden gegeben.
Ein langsam einlaufendes Wasser band die erwünschten Bestandteile und lief
so als angereicherte Lauge aus dem Siebboden aus.
Mit einem Araeometer (Senkwaage, heute als Autobatteriesäuremessgerät
bekannt) wurde der Laugengehalt gemessen. Er betrug in der ersten Stufe
etwa 20 - 30 Prozent. Bei unter 10 % Lauge konnte mit warmen Wasser noch
weitere Lauge gewonnen werden.
Die ausgelaugte Asche wurde auf den Feldern als Dünger eingesetzt.
Die 20-30 prozentige Lauge wurde dann durch Versieden weiter konzentriert. Dies geschah wie bei der Salzsiederei durch Aufkochen der Lauge in großen Pfannen (Pötten). Nach dem Verdunsten des Wassers erstand die rohe oder
schwarze Pottasche.
Diese Pottasche war schwarzbraun gefärbt durch die noch
enthaltenen Ruß- und Kohleanteile.
Um die Pottasche weiter zu säubern, wurde sie in
Kalzinieröfen gebrannt.
Die enthaltenen Verunreinigungen verbrannten und zurück blieb
eine reine bläulichschimmernde Pottasche, die dann
zur Glasgewinnung genutzt werden konnte.
Diese Methode ist veraltert. Die Pottasche wird heute aus natürlichen
Vorkommen in einigen Seen/Meere und im Bergbau gewonnen. Die Nutzung liegt
heute im Bereich von Seifen und Dünger.
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