Wappen von Musbach Obermusbach

Geschichte des Schul- und Rathaus
heute Mühlhaldenstr. 3

- die alte Nr. 5, später Nr. 17, heute Mühlhaldenstr. Nr. 3 -

Das erste Obermusbacher Schulhaus, es hat die alte Haus-Nr. 5,  stand laut Gebäude-Kataster von 1824 am Igelsberger Fußweg und wurde entsprechend dem Gebäude-Kataster von 1836 im Jahre 1842, zwei Jahre nach Errichtung des neuen Schulhauses, abgerissen.
Ab 1811 wurde ein Bürgermeister-Rechnungbuch eingeführt. Im Anhang dieses Buches finden wir das Schulhaus "ein Haus ... zu einem Schulhaus eingerichtet ist." Danach scheint 1811 in einem Wohnhaus, die Nr. 5, eine Schule eingerichtet worden sein.  
Im Komun-Rechnungsbuch von 1816/17 ist das Schulgebäude aufgeführt, die Lage wird mit "zwischen der gemeinen Gaße und dem Weiler Steig gelegen" beschrieben.
 
In dem Bereich der hohen Fichten könnte das alte Schulhaus gestanden haben. Zumindest ist im Ortsplan von 1836  hier noch ein Garten eingezeichnet.
 
Das Schulhaus Nr. 5 war zweistöckig, mit Wohnung für den Schullehrer, Stallung und Keller. Es hatte ein Ziegeldach.
Im Ruggerichtbuch von 1829-67 finden wir am 7.1.1839 folgende Eintragung "§17 - Das Schulhaus befindet sich in einem ungenügenden und zum Theil schadhaften Zustand, es ist daher planmäßig zu verbeßern."
Es gibt die Randnotiz "Das Schulhaus wird neu gebeuen, was dem Königl. Oberamt bekannt gemacht worden ist."
 
Auf dem Schulhaus lagen jährlich zu leistende Abgabelasten an das Kameralamt (Kirchenamt) Dornstetten von:
Naturalabgaben:
2 Simri + 3,5 Viertel Hafer,
1 junges Huhn,
1 altes Huhn und
Geld:
8 Gulden Leehngeld.
 
Das Schulhaus gehörte der Gemeinde und war steuerfrei.
 
Das neue Schul- und Rathhaus mit der Nr. 17 wird, entsprechend Gebäude-Kataster von 1836, im Jahr 1840 erbaut.
 
 
Es ist zweistöckig, mit Stallung, Holzschopf, einem Gewölbekeller und einem Ziegeldach. Es hat einen Dachständer mit einer Glocke von 0,56 m Durchmesser. Im Gemeindeprotkoll finden wird am 20. Juli 1841 den Eintrag, dass das Schulhaus neu erbaut wurde und mit einen Versicherungswert von 1500 Gulden eingeschätzt. Erbaut wurde das Haus von Zimmermeister Adam Kübler aus Wittlensweiler.
Im Feuerversicherungsbuch von 1890 ist noch ein einstöckiger Abtritt (Toilettenhaus) mit 3 Plätze und einem Pultdach aufgeführt. Dieses Gebäude ist heute nicht mehr vorhanden.
 
Die Rückseite
 
mit Balkon
 
Abgaben, wie beim alten Schulhaus , sind nicht eingetragen.
 
 
Bekannte Lehrer sind:
 
 
Der Schulmeister Johannes Braun schrieb am 4.3.1805 einen Bitbrief an den Khurfürsten Friedrich II und bat um ein Fruchtgratial (Lebensmittelbeigabe) zum Lohn da er sehr wenig verdiene und dies nicht ausreiche. Mit Brief vom 8.3.1805 wurden ihm jährlich 2 Simri Roggen und 2 Scheffel Dinkel genehmigt. Dies Frucht hatte das Klosteramt Reichenbach zu liefern.
 
Der Schulmeister JakobFriedrich Berger bat als Nachfolger von Johannes Braun ebenfalls zur Unterstützung seines lebensunterhaltes bei dem zu geringen Verdienst um ein Fruchtgratial. Hierzu schrieb er drei Briefe, am 27.1.1807, 10.4.1807 und am 27.5.1807, an den König. Die Antwort ist nicht bekannt.
 
Christian Sauser, * 1783 in Engstlatt.
Wegzug 1821 nach Gemmrigheim.
 
Johannes Schneider, *1812 in Giengen.
Wegzug 1843 nach Bikelsberg.
 
Johannes Bluthardt, *1805 in Altbach.
Schulmeister in Obermusbach, seit 1831 in Untermusbach und ab 1835 in Grüntal.
Wegzug 1858 nach Niederhofen.
Heiratet 1836 Rosina Dorothea Seidt, *28.2.1806 aus Igelsberg. 
 
Johann Friedrich Böbel, *1813. Schulmeister in Obermusbach.
Wegzug 1851 nach Unterhausen. 
Im Ruggerichtbuch von 1870 findet sich in der Niederschrift von 1877 folgender Eintrag: "§27 -Nach einem neulich ergangenen Consistorial-Erlaß ist der Vorschlag gemacht worden, für die beiden Gemeinden Obermusbach und Untermusbach ein gemeinschaftliches neues Schulhaus zu erbauen. Die bürgerlichen Collegien in Untermusbach haben sich bei dem vorgestern daselbst abgehalteenen Ruggericht dahin ausgesprochen, statt eines mit großen Kostenwerk errichteten Neubaus 2 Schulsäle in dem Parterre des dort. Gemeindehauses einzurichten zu lassen, von denen der eine der Gemeinde Obermusbach gegen Bezahlung eines entsprechenden Miethzinses überlassen würde.
Die hier bürgerlichen Collegien sind mit diesem Vorschlag einverstanden. Wenn dieses Projekt in Stand kommen sollte, so würde das derzeitige Schulzimmer vacant und die Möglichkeit gegeben, daß derzeitige Rathszimmer dorthin zu verlegen, welches sich wirklich in einer Mieth-Wohnung befindet."
 
 
Ab 1883 wurde der Schulbetrieb wegen zu geringer Schülerzahl eingestellt und die Schüler in Untermusbach unterrichtet.
 
Das Klassenzimmer wurde als Ratssaal und für Gottesdienste genutzt.
 
Mit der Eingemeindung von Obermusbach nach Untermusbach wurde dann 1938 auch das Rathaus nicht mehr benötigt.
Es diente dann verschiedenen Zwecken, zum Beispiel als Milchsammelstelle.
 
Das Schul- und Rathaus wurde dann 1993 an Margarete Kappler verkauft, die das Haus behutsam renovierte und Künstlern zur Nutzung zur Verfügung stellt.

Für die gelungene Renovierung erhielt Margarete Kappler 1998 den Denkmalschutzpreis des schwäbischen Heimatbundes.

 
 
 
Winterfotos vom alten Obermusbacher Schul- und Rathaus.
 
 
 
 
 
Zum Schul- und Rathaus, sowie zum Obermusbacher Schulwesen finden sich in den Gemeinderats-Protokollen viele Eintragungen, die hier aufgelistet sind.
Teilweise aus Staatsarchiv Ludwigsburg D 38 Bü 51. Ermittelt durch Hans Rehberg
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