Truppendurchmarsch 1849

Truppendurchmarsch in Obermusbach 1849

In der alten Literatur finden wir einen Bericht über einen Truppendurchmarsch in Obermusbach 1849.
Die „Badische Revolution“ war in Gernsbach niedergeschlagen und die Armee auf dem Weg durchs Murgtal nach Sipplingen.
Bezüglich des Wohlstandes in Obermusbach ein lesenswerter Bericht.


Auszug aus Ereignisse und Betrachtungen während der Verwendung der Großherzogl. Hessischen Armeedivision in den Jahren 1848 und 1849
von A. Kehrer, Worms 1855 

Dreiundzwanzigster Brief
Bodmann, den 14. Juli 1849
Seit meinem letzten Briefe war das Bataillon fast immer für sich allein in Quartieren; es mangelte mir also nicht allein die directe Verbindung mit den Cameraden anderer Truppentheile, sondern auch die Zeit zum schriftlichen Verkehr mit Ihnen. Ich schreibe also vor der Hand nur von dem Marsche unseres Bataillons.
Das Ziel unseres ersten Marsches war Langenbrand, ein armer Ort in dem, dort ganz schmalen, wild romantischen Murgthale. Der Weg von Gernsbach nach Langenbrand steigt sanft aufwärts, immer neben der Murg, die über Felsblöcke dahinrauscht und durch ihr monotones Getöse ermüden würde, wenn nicht das Auge fortwährend Unterhaltung hätte an den berühmten Naturschönheiten des Murgthales.
Oberhalb des Schlößchens Eberstein wird die Aussicht immer beschränkter, dagegen drängen sich von Wiesenbach aufwärts herrliche Gebirgsformen und große Mannigfaltigkeit derselben in den engeren Rahmen des Bildes.
Langenbrand scheint von der Welt durch grandiose Felsen und steile Bergwände abgeschlossen zu sein; nur einzelne Höhen gestatten einen Blick in das breitere untere Murgthal, der daran erinnert, daß außerhalb dieses Felsenmeeres auch noch eine Welt besteht. Indeß bildet der Contrast zwischen der rauhen, wilden, von Felsen eingeschlossenen und der reicheren milderen Gegend der unteren Murg, die man durch die nördliche Öffnung dieses Thalkessels erblickt, einen Anhaltspunkt zu ganz anmuthigen Vergleichen.
Aus Rücksicht für die Mannschaft und für die Einwohner wurde Fleisch und Brod geliefert und ersteres abgekocht. Gegen Abend fing es an zu regnen, dicht schwarze Wolken flogen über den Gebirgskessel dahin, in welchem wir uns befanden und verfinsterten denselben schon vor Untergang der Sonne dermaßen, daß sich ohne die Straßenbeleuchtung der aufflammenden Kochfeuer niemand hätte zurecht finden können.

Am 5. Juli hatten wir einen starken, äußerst beschwerlichen Marsch. Der Regen floß in Strömem und unaufhörlich von Morgens 1/2 6 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr, wo wir in Obermusbach (Regiments- und Bataillonsstab, Leib- und 2. Companie) und Grünthal (3., 4. und Schützenkompanie) einzogen.
Bis Reichenbach 1)  folgten wir dem Ufer der Murg und freuten uns von da links aufwärts abgehen zu können, um dem ermüdenden Rauschen der Berggewässer und dem gleichsam einen fortwährenden Wasserfall bildenden lärmenden Sturze der Murg zu entrinnen. Von Reichenbach aus gab es hohe und mitunter steile Berge zu erklimmen.
Die Orte Obermusbach und Grünthal liegen in dem württembergischen Schwarzwald und sind wohlhabend, sogar reich. Mein wohlgenährter Quartierträger entfaltete einen Wohlstand und Geschmack für solide Eleganz, die ich hier nicht erwartet hätte.
Am folgenden Tage vereinigte sich das Bataillon Morgens 1/2 7 Uhr in Grünthal und erreichte 4 Uhr Nachmittags die in der Nähe der württembergischen Gewehrfabrik Oberndorf gelegenen Orte Hochmößingen und Hönweiler, Peterszell und Breitenwies.
Der forcirte Marsch des Batallions am 7. Juli über Rottweil nach Schwenningen führte uns durch eine herrliche Landschaft.
Überraschend ist die Aussicht von der Höhe südlich Peterzell. Das Neckarthal mit den dasselbe einfassenden Bergen, die eigenthümlichen Terrainformationen, die Burgruinen und Dörfer, die seitwärts liegenden Thäler der Bar, bilden in ihrer Gesamtheit ein prachtvolles Gemälde, dessen Hintergrund durch die Höhen des Schwarzwaldes und der Schweiz geschlossen ist. 

Der Autor A. Kehrer war Hauptmann im Großherzoglichen dritten Infanterie-Regiment, Ritter des Großherzoglich Hessischen Ludwigsorden II. Classe.

1) irrtümlich „Reichenthal“ geschrieben


aus „Ereignisse und Betrachtungen während …   “ abrufbar auf Google Book.  
Gefunden und aufgeschrieben von Hans Rehberg.