Urkunden 1423

Urkunden von 1423

Im Hauptstaatsarchiv befindet sich das Kopialbuch H102/63 Band 4.
In diesem Buch finden sich Vorläuferbeschreibungen des Lagerbuches von 1427. Ein Teil dieser Niederschriften ist hier editiert.  
Ab Seite 351 ist beschrieben, was in der Waldgedingverkündigung den Bewohnern der Nachbargemeinden Untermusbach, Grüntal, Hallwangen und Aach mitgeteilt wurde betreffend der Grenze des Waldgedings und den Jagdrechten in diesen Grenzen. 

Im Folgenden steht meine Interpretation des Urtextes und nachfolgend der von mir editierte Text. Der editierte Original-Text kann mit Übertragungsfehler behaftet sein, da die Schrift in vielen Teilen schwer les- und übertragbar ist.
Die Textinterpretation ist zur Verständlichkeit kursiv kommentiert. 

Was in der Verkündigung des Waldgeding genannt wird

Jährlich zweimal wurde den Bewohnern des Waldgeding ihr Rechte und Pflichten beim Gerichtstag in Aach vorgelesen. Der nachfolgend niedergeschrieben Text diente wahrscheinlich dazu, den Nachbarn in Obermusbach über die Recht und Pflichten der Waldgedingbürger zu informieren. 

Die Dokumente wurden im Jahr 1423 erstellt und zu einem uns nicht bekannten Datum kopiert.   

In der Waldtgedings Verkhündung stehet   


1423 

Seite 351 

Item aber ist ein Theylung gemacht, mit na-
men von des wildtpans und Hetzens wegen
des Waldgedings anzurheben, bey dem See
an der Seehalden bey Bittelbronn, von
dem See das hochst hinauf, biß an den weg
der da gehet hindißit Saltzstetten, über den
Schellenberg hinein, von dem weg herab
biß in die Lindt, die da stehet zur Lutzen-
hart, und in den Breyttenbach und den
Breyttenbach uff, bis in den furt, und vom dem
furt uff und uff, den Eselsteig, bis in das 

Seite 352 

Glattbrunlin, und von dem Glattbrünlin
zwischen den zweyen Muspach hin, biß
in Dürrengrundt, und vom Dürrengrundt
uber biß in die Ölmiße, und von dem Öl-
miße biß in den Schaidtgrundt, und den
Schaidtgrundt ab biß in die Reichenbach
und von Reichenbach den Schaidtgrundt
uff biß uff den Roselberg, und den Notlins-
trauf ab biß da der Thonbach in dieMurg
gehet, und die Murg uff biß in die Vor-
pach, und die Vorpach uff, biß zur der Herrn-
wise, die im Vorpach ligt, und von der
Hernwiß biß gehn Loßburg, von Loßburg
uß dem Graben den Rechten Weg her un-
der dem Rod, biß an den Brandt
und von dem Brandt ab, uber den bü-
hel, biß in die Glatt, und die Glatt ab
biß in Tierstein, von dem Thierstein 

Seite 353 

den Zeglattbach uff hin biß in die Rechten
Straßen, ob Schopfloch alhin, biß wider in
den See zur Bittelbronn. In den vorge-
schriben Kreyß soll der Wüldtpan unsers Herrn
des Margraven sein, doch also, das die vor
Dornstetten und welche in das Waldtge-
ding gehörn, die mögen in dem vorgeschrib-
nen Kreyß wol hetzen uberlandt Schwein,
Bern und Füchs, und sunst Hasen, Hüner
Füchs, Eichhorn, Fahen, oder waß sye wol-
len, ußgenommen Rothwild, doch das
sye kein Wildt Schweinhag, noch Reeh-
hag machen sollen, und was sye Also
von Schwein und Beeren das Haupt, und von
einem hauwenden Schwein, und von einer
Lienen auch das Haupt geben und von ein-
em Frischling nichzit, und soll man des 

Seite 354 

Schweinen die Ohren hinder sich liegen
und hinder den Ohren, das Haupt abschney-
den, und was sye also von Beern und
Schwein fiengent in vorgeschriben Kreyß
die vorgenant Recht, davon sollen syeal
wegen antwürten Unseren Herrn dem
Margraven gehn Reichenbach ins Closter.
Randbemerkung: Und nicht den München.
Ließen sye aber in dem vorgenanten
Kreyß noch Beern und Schweinen jagen
und würdet die gefelt uff unsern Herrn
den Margraven, ußwendig des Kreyß
so sollen sye aber die vorgeschriben Recht
davon antwürten, dem nechsten Schult-
heyßen oder Amptman unsers Herrn des
Margraven in Stadt und Dorf un-
gevahrlich.

Item es sollen auch Unsern Herrn von 

Seite 355 

Würtenberg, die von Dornstetten, und
die seinen und auch welche in das Waldt-
geding gehörn, bey irn eigemschaft, walden
und herkommen, mit Waldthauwen, zur-
farten, Eicheln, Waßern und allen Rechts
herkommen und gewohnheiten bleibens
Als das von Alter herkommen ist, und im
Waldtgeding geöffnet würt, doch unschäd-
lich unsern Herrn den Margraven an dem
Wildtpan als vorgeschriben ist.
Auch soll Unsern Herrn von Würtenberg
sein Amptleüth oder in Knecht, in dem
vorgeschriben Kreiß feder stil fahrn
und halten, die von alter herkommen
ist on gründe.
Actum et Datum Anno dem 1423
Jahr uff Michaelis. 

Seite 356 

Diser obgeschriben endtscheidt, ist neben
anderen nachpürlich Pennen zwischen Würt-
enberg und Baden, durch nachustgende Per-
sohnen abgeredt, Namlich von Reinboldt
Kolben von Staufenberg, Sifrid Pfame von
Riepur, Heinrichen von Riepur, Hans Truck-
seßen von Heffnigen, Hansen von Sachsen-
heim und Gottfriden von Menstheim, Als
hierzur verordneten, Actum et Datum usw   

Entnommen aus: „Das älteste Urbar des Priorats Reichenbach“ von Regina Keyler und dem Urbar mit der Kennzeichnung H102/63 Bd.1 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, sowie H102/63 Bd. 4.