Der grosse Brand

Der große Brand 1822

Der große Brand in Obermusbach vor 180 Jahren.
Bei einem Gang durch das freundliche Obermusbach mit seinen stattlichen Gebäuden erblickt das Auge mehrmals über den Türsturz die Jahreszahl 1822.

Türsturz Gasthaus Hirsch 1822
Türsturz Gasthaus Hirsch 1822


Wie die Häufigkeit der Zahl schon andeutet, muss in dieser Zeit etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein.

Türsturz Schneider 1822
Türsturz Schneider 1822


Und in der Tat, es war eine Brandkatastrophe größten Ausmaßes, die innerhalb einer Stunde das Dörflein zu siebzig Prozent einäscherte.

Türsturz Bohnet 1822
Türsturz Bohnet 1822

1822
Das Jahr 1822 war recht warm und gewitterig. Gegen Jahresende traten noch Erdbeben auf. Durch die anhaltende heiße Witterung waren die noch größtenteils mit Schindeln bedeckten Dächer völlig ausgetrocknet.
Da brach in der Nacht zum 25.Mai um 1:30 Uhr im Hause des Bauern und Heiligenpflegers Johann Adam Hofer ein Feuer aus, das durch Unvorsichtigkeit beim Räuchern entstanden sein soll.
Unglücklicherweise zog in dieser Nacht noch ein Gewitter auf, dessen heftige Windstöße die brennenden Dachschindeln oft 200 bis 300 Schritt weit forttrugen, die Löscharbeiten ungemein beschwerten und den roten Hahn auf weitere zehn Gebäude setzte.
Innerhalb von einer Stunde standen zehn Bauernhäuser mit Nebengebäuden, sowie die Kirche in Flammen und brannten bis auf die Grundmauern ab.
Auch die beiden Kirchenglocken und die Uhr fielen in die Tiefe und zerschellten.

Der Brand konnte noch in 60 km Entfernung wahrgenommen werden.
Bei den Bergungs- und Rettungsarbeiten machte sich besonders Bürgermeister Hofer verdient. Es gelang ihm, durch mutigen Einsatz die Gemeindeakten in Sicherheit zu bringen, weshalb ihm eine Belobigung seiner vorgesetzten Dienststelle zuteil wurde.

Es brannten ab:
Johann Adam Hofer, Bauer und Heiligenpfleger
Reinhard Frei, Taglöhner
Martin Klumpp, Bauer
Johannes Hofer, Schultheiß
Johann Adam Bohnet, Bauer
Johann Adam Mast, Hirschwirt
J. Adam Mast, Ochsenwirt
Johannes Wurster, Bauer
Michael Wurster, Bauer
Bernhard Bohnet, leerstehendes Bauernhaus
Kirche

Vom Brand verschont blieben:
das alte Schulhaus,
Martin Seeger,
Peter Braun,
Martin Zifle, Bauer,
Jakob Bauer, Zimmermann.
Sogleich nach dem Brande begannen die Geschädigten mit dem Wiederaufbau und bis zum Jahresende waren neun Häuser neu entstanden.

Bauer Bohnet verkauft sein Ruinengrundstück an Schultheiß Hofer.

Das Protokoll über den Brand vom Oberamtmann Martz ist erhalten und kann eingesehen werden.

Die Brandentschädigung verlief auch nicht problemlos, wie aus einem Schreiben an die Brandversicherung zu sehen ist.

Auszüge aus „Geschichte der Kirche und Pfarrei Grüntal von Oswald Heinzelmann“.
Aufgeschrieben von Hans Rehberg