Lagerbuch 1667 Teil 9

Das Lagerbuch von 1667
9. Teil – Geforderte Frohndienste –
Mähen, Heuen und Transportdienste

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In diesem Teil werden die Frohndienste beschrieben. Der editierte Original-Text ist noch mit Übertragungsfehler behaftet, da die Schrift in Teilen schwer les- und übertragbar ist. Die Textkommentare sind zur Verständlichkeit kursiv geschrieben. 

Seite 400b

Obermuespach Frohn Schuldigkeit 

Ein Jeder hinderseß zue Obermuespach ist dem Closter Reichenbach mit nachfolgenden Frohndiensten obligirt:
Namlich wann ein Persohn ein gantzes oder halbes Hofguath innen hatt, muaß darvon jährlich dem Closter ein Tag mehen, Und ein Tag heüen;
Hette Einer anderhalbe oder zway Höff, ist man jährlich zway Tag zu mehen, und zway Tag zu heüen schuldig.
Und also fortan zu rechnen;
Und wann Einer nur ein Vierten Theil oder weniger und mehr particular Stuckh ußer einem Lehen innen hatt, muß man doch darvon wie von einem ganzen Gueth jährlich 

Seite 401 

ein Tag mehen und ein Tag heüen.
Sodann jemandt zway halbe Lehen welche nicht zusamen gehören, besizen thete, ist man von selbigen jährlich zway Tag zue mehen und zway Tag zue heüen schuldig.
Nicht weniger ist auch ein Söldner oder Taglöhner,
Es habe ein Taglöhners Gürtlin innen oder ob er schon kein ligendes Gueth hatt, schuldig dem Closter jährlich ein Tag zue mehen und ein Tag zue heüen. 
Hingegen würdt in dem Closter denn Mädern und Heüernen der gebührende Atz geraicht. 

Seite 401b 

Wann aber das Closter Reichenbach vorgeschribenen Frohnen mit mehen und heüen ein oder anderen Jahres nit sambtlich benötigt, ist jede Person zue Obermuespach für ein Mäder Sechs Kreützer und für eine Heüerin Zween Kreuzer, daß Tags zue bezahlen schuldig, welches auch jährlich in der Lehenrechnung uff Martini also abgerechnet werden solle.
Fernners seindt die Innsaßen zue Obermuespach – welche Lehen, so Hoffrecht und die Waldgerechtigkeit haben besitzen – neben der Gemeindt Igelsberg 

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verbunden, alle nothwendigen Früchten bey dem Closter Reichenbach, in gewohnlichen Tax wie selbiger daß Closters Rechnungen incorporirt, ußer den Geü, und anderen Orthen her, von deß Closters Gülttleüthen bey ihren Liferungsstetten und Örthern abzuholen, Und in das Closter gehn Reichenbach zu führen; Nachdeine aber vor etlichen Jahren underschidliche Fruchtgefäll so bey der Under Pfleeg Remmingshaimb jährlich gefallen, wo dem Closter Reichenbach in andere Verwalttung nacher Herrenberg transferirt worden. Seyen aniezto die beede Gemeindten zue Obermuespach 

Seite 402b 

und Igelsperg, – jedoch mit Vorbehalt deß Closters alter Gerechtigkeit, und Ihr der Communen alter Frohn schuldigkeit – für dißmahlen, und biß uff anderwertige Gnädigste Verordnung, und fernner erfolgender fürstl: gnädstl: Befelchen, nit weiters schuldig, alß die Gültt Zehendt: und asignations Früchten, so dem Closter Reichenbach jährlich resp: gefallen, und bei andern Verwalttungen angewisen werdten, in der Frohn und einem gewisen Tag so daß Closter Rechnung von Jahr zue Jahren ordenlich einverleibt werdten, an Ihrem gehörigen Orth abzueholen, und gehn Reichenbach 

Seite 403 

zuefüehren;
Und würdt diser Zeit von einen Horber Malter rawe Frucht, von Rexingen, Bittelbronn, Dierenmetstetten, und Hirschweiler nach Reichenbach zue führen, Vier Kreüzer:
Sodann das Horber Malter rawe Frucht von Hallwangen bis nach Reichenbach zu lifern, drey Kreüzer:
Item von denen acht Malter Habern horber Maß, so die Waldvogtei Nagoldt ußer dem Uthenweiler Waldt dem Closter Reichenbach zue Öwiger Gültt und jährlich bis nach Obermuespach zu lieferen schuldig,
Von irserr malten Muespach vollents bis nach Reichenbach zu führen, uff jedes Malter Zween Kreüzer: 

Seite 403b 

Desgleichen von einem württembergischen Scheffel rawe Frucht von Dornstetten nach Reichenbach, Vier Kreüzer:
Und dann von Bayersbronn her uff denn Scheffel Zway Kreüzer Frohngeltt bey dem Closter geraicht und ußbezahlt. 
In sonderheit müeßen auch erstbesagte Closterhinderseßen zue Obermuespach sambt denen zue Igelsperg, allen notwendigen Gebrandten Zeüg zue deß Closters Reichenbach Bauwesen in der Frohn beyführen, hingegen würdt Ihnen von dem Closter uff ein Handfröhner Sechs Kreützer, 

Seite 404 

Undt auff ein Mihnin Ochsen Zwaintzig Vier Kreüzer, deß Tags gegeben. 
Sonsten seindt die Innwohner zue Obermuespach sambt und sonders ohne underschidt verbunden, dem Closter Reichenbach an deßen Gebäwen, Wegn, Straßen, Weyhren, und waß dergleichen deß Closters nothuett mit Bauwesen und anderem erhaischet mit Handt und Fuhr – ußerhalb der Taglöhner so kein aignen Zug haben, und allein die Handfrohn schuldig – zue frohnen;
Doch ist von alters her bey dem Closter Reichenbach uff ein Fröhner Sechs Kreüzer, ein Fröhnerin zween Kreüzer, und 

Seite 404b 

ein Mihnin Ochsen Zwaintzig Vier Kreützer täglich bezahlz wordten.

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ENTNOMMEN AUS: HAUPTSTAATSARCHIV STUTTGART, H102/63 BD. 10.

AUFGESCHRIEBEN VON HANS REHBERG.